Kreuzbandersatz mit Press-Fit-Hybrid®
Kreuzbandersatz ohne Schrauben und Fremdmaterial: Das von Dr. med. Adalbert Missalla mitentwickelte Press-Fit-Hybrid®-Verfahren – wissenschaftlich belegt durch eine 10-Jahres-Studie der Goethe-Universität Frankfurt.
Beim vorderen Kreuzbandersatz wird das gerissene Kreuzband durch eine körpereigene Sehne ersetzt. Entscheidend für das langfristige Ergebnis ist, wie das Transplantat im Knochen verankert wird. In der Ortho-Klinik Rhein-Main kommt dafür das Press-Fit-Hybrid®-Verfahren zum Einsatz – eine Technik, die Dr. med. Adalbert Missalla gemeinsam mit Dipl.-Ing. Helmut Reinhard auf Basis der All-Press-Fit-Technik weiterentwickelt hat und seit 2008 in rund 3.000 Eingriffen anwendet.
2025 wissenschaftlich publiziert: Die Langzeitergebnisse dieses Verfahrens wurden in einer 10-Jahres-Studie im Journal of Experimental Orthopaedics veröffentlicht (Schauer et al. 2025) – zu den Studienergebnissen.
Ohne Schrauben, ohne Fremdmaterial
Statt mit Metall- oder Kunststoffschrauben wird die Sehne mit körpereigenen Knochenzylindern verankert, die beim Anlegen des Bohrkanals gewonnen werden – ergänzt um eine zusätzliche Fixierung am Oberschenkelknochen. Es verbleibt kein Fremdmaterial im Knie. Das hat mehrere Vorteile:
- Der Knochenzylinder wächst innerhalb von etwa vier bis sechs Wochen fest ein – Knochen heilt direkt an Knochen.
- Typische Komplikationen von Schrauben (Materialreaktionen, unvollständig abgebaute resorbierbare Schrauben, Zysten, erhöhte Infektionsraten) entfallen.
- Das Knie darf direkt nach der Operation wieder gebeugt und gestreckt werden – die Rehabilitation beginnt früher.
- Die Rate erneuter Kreuzbandrisse ist sehr gering (siehe Studienergebnisse unten).

Arthroskopischer Blick in das Kniegelenk während des Eingriffs. Quelle: Schauer et al. 2025 (CC BY 4.0).
Wissenschaftlich belegt: 10-Jahres-Studie
Die Ergebnisse des Verfahrens wurden von der Goethe-Universität Frankfurt wissenschaftlich untersucht und 2025 im Journal of Experimental Orthopaedics veröffentlicht. 135 Patientinnen und Patienten, die zwischen 2011 und 2013 in der Ortho-Klinik Rhein-Main operiert wurden, wurden bis zu zehn Jahre nachbeobachtet. Die wichtigsten Ergebnisse:
- 96 % kehrten in ihren Sport zurück – im Durchschnitt nach 9,6 Monaten.
- Nach drei Jahren spielten 73 % wieder auf ihrem Niveau von vor der Verletzung, nach zehn Jahren noch 52 %.
- Erneute Kreuzbandrisse waren selten: 2,85 % in den ersten drei Jahren, 5 % zwischen dem dritten und zehnten Jahr.
- Kniefunktion und Lebensqualität blieben über den gesamten Zeitraum auf hohem Niveau (IKDC-Score nach 10 Jahren: 86,5).
Nachsorge und Rehabilitation
Für ein gutes Ergebnis ist die Nachbehandlung ebenso wichtig wie die Operation selbst. Nach dem Eingriff bauen Sie mit gezielter Physiotherapie sowie Kraft- und Beweglichkeitstraining schrittweise wieder Stabilität auf. Bereits am ersten Tag nach der Operation erhalten Sie eine stabilisierende Rahmenorthese, die das Kniegelenk schützt. Für diese Versorgung arbeiten wir seit vielen Jahren eng mit dem Sanitätshaus Schneider & Piecha in Offenbach zusammen, dessen Zentrum für Bewegungsanalytik auf die individuelle Knieversorgung spezialisiert ist.
Wissenschaftliche Evidenz – für medizinische Fachkreise
Kohortenstudie (Evidenzlevel III) mit bis zu 10 Jahren Follow-up (N = 135; 81 m, 54 w; Ø 32,3 Jahre). Endpunkte: IKDC, Lysholm, Tegner Activity Scale, KOOS-QoL, Return-to-Sport-Raten, Rerupturrate. IKDC nach 2/3/10 Jahren: 87,6/89,2/86,5; Lysholm: 92,1/93,3/90,6; KOOS-QoL Ø 80,4. Return to Participation Ø 5,9 Monate, Return to Sport 96 % (Ø 9,6 Monate), Return to Performance 72 % (Ø 12,2 Monate). Reruptur 2,85 % (0–3 Jahre) bzw. 5 % (3–10 Jahre).

IKDC-Verlauf über 120 Monate. Abbildung aus Schauer et al. 2025, Lizenz CC BY 4.0.
Im Vergleich zu anderen Verfahren
Die Kreuzbandrekonstruktion unterscheidet sich vor allem in der Wahl des Transplantats (Hamstring-/Semitendinosussehne, Patellasehne, Quadrizepssehne) und der Fixationsmethode (Interferenzschraube versus schraubenfreie Press-Fit-Verfahren). Bei der Transplantatstabilität ist die Rerupturrate der aussagekräftigste Parameter. In der vorliegenden Kohorte lag sie bei 2,85 % (0–3 Jahre) bzw. 5 % (3–10 Jahre). Publizierte Werte anderer Verfahren liegen darüber: Interferenzschrauben-Fixation 5,8 % bzw. 9,4–11,1 %, Press-Fit mit Quadrizepssehne-Patella-Knochen 9 % (Barié et al.), eine systematische Übersicht (≥ 10 Jahre, gemischte Verfahren) 7,9 %. Eine ähnliche Hybrid-Press-Fit-Technik erreichte 4 % nach 3 Jahren (Volz & Borchert).
Die funktionellen Scores (IKDC/Lysholm) entsprechen dem Niveau publizierter Langzeitergebnisse (Barié et al.: 90/92 nach 7,5 Jahren; Lee et al.: 90,9/89,7 nach > 7 Jahren). Gute bis sehr gute Ergebnisse zeigten sich bei 75 % (IKDC) bzw. 80 % (Lysholm) – im oberen Bereich der in systematischen Übersichten berichteten Spannen für Patellasehnen- (48–97 % IKDC) und Hamstring-Transplantate (50–97 % IKDC). Die Return-to-Sport-Rate von 96 % liegt über gepoolten Literaturwerten (59–72 %). Einordnung: Es handelt sich um einen Vergleich mit publizierten Literaturwerten, nicht um eine kontrollierte Vergleichsstudie – die Kohorte hat keine Kontrollgruppe, alle Eingriffe erfolgten durch denselben Operateur. Die Ergebnisse sind als vorläufig zu werten und bedürfen der Bestätigung in einer randomisierten kontrollierten Studie.
| Verfahren / Fixation | Transplantat | Rerupturrate | Quelle |
|---|---|---|---|
| Press-Fit-Hybrid® (Knochenzylinder) | Hamstring | 2,85 % (0–3 J.) / 5 % (3–10 J.) | Schauer et al. 2025 |
| Hybrid-Press-Fit (ähnliche Technik) | Hamstring | 4 % (3 J.) | Volz & Borchert |
| Interferenzschraube | versch. | 5,8–11,1 % | Lee et al. u. a. |
| Press-Fit (Quadrizepssehne-Patella-Knochen) | Quadrizeps | 9 % | Barié et al. |
| Systematische Übersicht (≥ 10 J.) | gemischt | 7,9 % | Übersichtsarbeit |
Werte aus unterschiedlichen Studien – kein direkter Kopf-an-Kopf-Vergleich. Alle Vergleichswerte aus dem Diskussionsteil von Schauer et al. 2025.
Zitation: Schauer N, Fischer M, Golbach R, Groneberg DA, Holzgreve F, Niederer D, Ohlendorf D, Missalla A. Reconstruction of the anterior cruciate ligament using the Press-Fit-Hybrid technique – A cohort study with an up to 10-year follow-up. J Exp Orthop. 2025;12:e70257. doi.org/10.1002/jeo2.70257 (Open Access, CC BY 4.0)
